Didaktik mit Messer und Gabel - In Begleitung von SWR2

von Michael Schieferstein 12. Juni 2014 um 09:55 Uhr

 

Das Schulprojekt "ABC der Lebensmittelwertschätzung" in Begleitung von SWR2

Ein großer Gemüsekorb steht auf einer der Arbeitsflächen. Hier werden die Schüler gleich Kohlrabi, Fenchel, Zucchini und Paprika kleinschneiden. Doch zuerst gilt es Basiswissen zu schaffen. Michael Schieferstein legt Wert darauf, dass alle Kinder die Zutaten bestimmen können. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass inzwischen alle der insgesamt 22 Schüler einen Kohlrabi erkennen und ihn auch zu nutzen wissen.

"Mit dem kann man Würfel schneiden oder mit dem kann man Sticks machen, Gemüsesticks." Schüler

"Die wissen heute mehr wie mancher Kochlehrling, weil sie einfach von Anfang an alles wissen. Heute weiß doch keiner mehr, was ist ein Rhabarber, was ist eine Zucchini, wie sieht Thymian aus - die Kinder sagen Tannenbaumzweig. Das hat sich alles verändert, das komplette Verhalten. Die Kinder essen Zuhause kein fast food mehr, die Eltern müssen mittlerweile frisch kochen, sie dürfen keine Päckchen mehr verwerten. Weil die Kinder lernen hier auch wirklich mit frischen Kräutern und Gewürzen das gleiche Aroma zu bekommen." Michael Schieferstein, Koch

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft lobt das Mainzer Projekt als beispielhaft und hat Schieferstein zum Kochpaten ernannt. In der Schule kochen, das gab es auch schon früher. Doch Schieferstein will mehr: Interdisziplinär, zeitgemäß und Pflicht an jeder Schule soll der Unterricht sein.
Ihn selbst hat der preisgekrönte Dokumentarfilm "taste the waste" alarmiert. Der Filmemacher Valentin Thurn zeigt darin wie täglich tonnenweise Lebensmittel vernichtet werden. Diese Bilder haben auch die Mainzer Grundschüler nachhaltig geprägt.

"Manchmal sag ich meiner Mama sie soll nicht so viel kaufen, nur das was wir brauchen. Und das vergisst sie auch manchmal, dann erinnere ich sie daran." Schülerin

Auf diese Art werden die Eltern gleich mit erzogen. Dass die meisten der Schüler hier aus sogenannten einfachen Verhältnissen stammen ist der Grund, warum die Wahl für das Pilotprojekt auf die Mainzer Goethe-Schule fiel. Eine Schule in der Mainzer Neustadt, ein Stadtviertel in dem viele Migranten und Studenten leben. Schieferstein war selbst Schüler hier und will beweisen, dass man auch mit schmalem Geldbeutel gesund und nachhaltig leben kann.

"Nicht in Aldi oder Lidl oder wie sie heißen, sondern wirklich auch zu sagen, ich gehe in die Region und ich fördere meine Region und ich baue auf dem Balkon mal selbst was an. Wir haben da viele Lösungen. Und wenn wir hier anfangen können, auch in der Schule. Wenn das funktioniert, an jeder Schule Deutschlands das Projekt reinzubringen, können wir sicher sein, dass wir in ungefähr 10, 15 Jahren garantiert 50 Prozent von allem was weggeschmissen wird, eindämmen können." Michael Schieferstein, Koch

Mit Beginn der Sommerferien endet das Projekt an der Mainzer Goethe-Schule. Leider, sagt Klassenlehrerin Heike Miemitz.

"Ich sehe, dass wirklich alle motiviert sind. Und, dass das Kochen wirklich allen Spaß macht. Dass einige Kinder schon Zuhause einige Tätigkeiten übernommen haben, zu helfen, wenn gekocht wird. Die Kinder die sonst vielleicht eher leistungsschwach sind, Fähigkeiten zeigen können, die sonst im normalen Unterricht eher nicht zur Geltung kommen." Heike Miemitz, Klassenlehrerin

Das "ABC der Lebensmittelwertschätzung". Die 9 – 11jährigen Mainzer Pilotschüler können es erstaunlich gut. Ein Projekt, das Schule macht, hoffentlich bald auch bundesweit.

Ein Bericht von Sina Reinhold über besondere Unterrichtsstunden für Mainzer Grundschüler (Kultur Regional)

 

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